Wir sehen uns, früher oder später, dann und irgendwann,
in der diesen hiesigen oder der
weiten jenseitigen Gegenwart.
Vielleicht im verschlingenden Fluss der gestrigen Zukunft.
Vergessen
in Kindheitserinnerung, im saugenden Sog des Traumes schwamm
der müde Geist. Des Morgens
Hoffnung erwachende Visionenfahrt
ins Übermorgen aufgebrochen, von Ungeduldigkeiten zerfressen.

Wir hören uns, lauter oder im Stillen, in Schall und Rauch,
im dunstigen
Gespensternebel dubioser Wolkengrollen.
Geistesblitze schlitzen fix den nass ergrauten Himme
l in abertausend Multitöne prächtig, du erahnst sie auch.
In tollkühnsten kitzelnd
Ohrgefühlen, vollem Unbescholten
erklommen aus Geschwätze, rettend ins Sinfonien Gewimmel.

Wir riechen uns, modrig oder frischgelüftet, mehr oder weniger,
einstmalig
in betörendem Duft, als auch übelstem Gestanke,
je nach gestattetem Gutdünken, immer der
Nasenspitze lang,
so manches Mal beschämt verschnupft. Gerupftes Gefieder
schmerzt
reißend immer wieder. Dem eigen Atem sag Danke,
dass er so manch malignem Odem prustend
entsagen kann.

Wir schmecken uns, bekannter Süße der Gelüste, dem Salz auf der Haut,
mit
kneifend Zwinker äugen, komplementär beschmunzelnd runzelnder Stirn,
und im Schmatzen der
schnellen Zunge entflammt das brennende Lippenpaar.
Es werden Überlebens Sinne wohl
gesättigt sein, ansonsten brüllt sie hungrig laut,
die Gier nach unbändig Völlerei durch
Sein und Schein. Geplagt ist das Hirn,
durch Erstreben dumpfer Massen, der Seelenfrieden
verkümmert sich gar unscheinbar.

Wir fühlen uns, gewollt und willig, oder im Zufall banal, im Befühlen der
Berührung,
durch kochend Heiß und fröstelnd Kalt, in seidigem Kratzen, durch Wehe und Wohle.
In herrlich beflügelter Freiwilligkeit, negierend geschönt verpönter Alltagszwänge,
sind
prickelnd gespickte Gänsehäute wild unbeugsam gefangen in erotischer Fügung.
Und so
schleicht die schnurrende Verführungskatze, in stolzer Haltung, auf leiser Sohle
durch
unsere einsamen Herzensstuben, in Täuschung kuschelnd gefangener Liebesfänge.
- Sylke Lambert
